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Gesundheitsfonds weiter unter Druck

Erst gestern teilten die gesetzlichen Krankenversicherungen mit, dass ihnen in diesem Jahr aufgrund des Gesundheitsfonds ein Defizit von 7,5 Milliarden Euro drohe. Eine unvorstellbare Summe, die sicher nicht ohne Folgen bleibt. Der gesetzlich Versicherte kann sich wahrscheinlich auf zusätzliche Zahlungen einstellen, aber auch die Politik bleibt von der schlechten Nachricht nicht unberührt. Und das, wo die Koalitionsverhandlungen zwischen CDU/CSU und FDP gerade erst starten.

Gilt doch der Gesundheitsfonds als »Kind« von Kanzlerin Merkel, sieht sich die FDP durch die schlechten Zahlen darin bestätigt, dass der Gesundheitsfonds wieder abgeschafft werden muss. Ein Thema, dass bei der Bildung der schwarz-gelben Koalition reichlich Konfliktpotenzial bieten wird. Denn irgendwie muss das riesige Finanzloch ausgeglichen werden. Wie genau sich das die neue Regierung vorstellt: der Versicherte darf weiter gespannt bleiben.

Kurswechsel nach Wahlen?

Es liegt in der Natur der Sache: kaum steht fest, welche Parteien in Zukunft die Regierung bilden, treten die verschiedenen Interessensgruppen auf den Plan, um schnellst möglich die eigenen Ansprüche anzumelden. So auch in der Gesundheitspolitik.

Ärzteverbände, private Krankenkassen und Industrie hoffen darauf, dass nun der staatliche Einfluss auf die Branche eingeschränkt wird. Die gesetzlichen Krankenkassen hingegen hoffen auf eine Stärkung der eigenen Position. Zum Thema wird hier sicherlich der ungeliebte Gesundheitsfonds.

Ein anderes Beispiel: Der Branchenverband der Pharmaindustrie Pro Generika e.V. fordert, dass die sogenannten Arzneirabattmittelverträge wieder abgeschafft werden. Nur so sei eine freie und soziale Marktwirtschaft im Bereich der Arzneimittel möglich - neben dem Preis müssen auch Qualitätskriterien wieder eine Rolle spielen, das erklärte Pro Generika-Geschäftsführer Peter Schmidt.

Ein Punkt, der immer wieder auftaucht, scheint das fehlende Vertrauen der Bürger in das Gesundheitssystem und der daraus resultierende Handlungsbedarf zu sein. Kein Wunder bei einer Gesundheitsreform, die in den Augen vieler vor allem die Kostensenkung im Auge hatte.

Auf die neue schwarz-gelbe Regierung scheinen jedenfalls schwere Zeiten mit unterschiedlichsten Forderungen zuzukommen - auch (oder vielleicht vor allem?) im Gesundheitssektor.

Gesunheitsfond nicht ausreichend!

Jetzt ist es soweit: laut einem aktuellen Bericht der FAZ erhebt zum ersten Mal seit die Gesundheitsreform zu Beginn des Jahres in Kraft getreten ist, eine Krankenkasse von ihren Versicherten einen Zusatzbeitrag. Der Grund hierfür sei, dass das Geld aus dem Gesundheitsfonds nicht ausreiche.

Konkret soll es die Versicherten der Gemeinsamen Betriebskrankenkasse Köln (GBK) treffen: rückwirkend zum 01. Juli wird ein monatlicher Zusatzbeitrag von acht Euro fällig. Wann die Maßnahme wieder zurückgenommen wird, steht noch nicht fest.

Laut GBK geriet die Krankenkasse durch zwei Bluter-Erkrankungen in den Jahren 2005 und 2006 in finanzielle Schwierigkeiten. Rettung verspricht der Zusatzbeitrag.

Nun stellt sich sicher die ein oder andere Krankenkasse die Frage, ob es nicht ebenfalls sinnvoll sei, einen Zusatzbeitrag einzuführen. Denn einen Vorteil verspricht das Vorgehen der GBK für die anderen Anbieter auf jeden Fall: der Platz des Ersten, der eine unliebsame Entscheidung trifft, ist bereits vergeben.

Warum in die Ferne schweifen…?!

Warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute ist so nah. Das scheinen laut einer aktuellen Studie der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg viele deutsche Kliniken zu denken, wenn es darum geht, Patienten aus anderen Ländern zu gewinnen. Denn bereits 2007 wies die Hochschule nach, dass das Internet für ausländische Patienten am wichtigsten ist, wenn es darum geht, sich über eine Klinik und ihre Behandlungsmöglichkeiten zu informieren. Dennoch schnitten die Online-Auftritte deutscher Kliniken im internationalen Vergleich eher schlecht ab.

Problematisch laut Studie ist vor allem die Usability. In den meisten Fällen existierte weder eine internationale Domain noch ein spezieller Bereich für ausländische User. Ein Drittel der Seiten konnte nicht einmal in englischer Sprache betrachtet werden. Aber auch inhaltliche Informationen wie Zahlungsmodalitäten etc. fehlen häufig ganz. Interaktive Elemente wie Online-Terminierungen etc. ebenfalls.

Asiatische Kliniken schlossen die Studie mit deutlich besseren Ergebnissen ab und haben so bessere Chancen, ausländische Patienten für sich zu gewinnen, während die deutschen Kliniken anscheinend wenig Interesse an dieser Patientengruppe aufweisen. Statt hier Verbesserunspotenzial im Marketing zu sehen, fällt der Blick kaum über den eigenen Tellerrand. Chancen müssen eben auch erkannt werden!

Medical Wellness als Chance

50 bis 70 Milliarden Euro werden jährlich auf dem Wellness-Markt umgesetzt. Die Tendenz geht dabei in Richtung Prävention und Gesundheitsförderung, kurz Medical Wellness. Im Bereich der Medical Wellness werden medizinische Leistungen und zusätzliche Wohlfühlangebote zusammen gefasst. Zu diesen Ergebnissen kamen aktuelle Untersuchungen des Instituts Arbeit und Technik der Fachhochschule Gelsenkirchen.

Laut Sandra Dörpinghausen, wissenschaftlicher Mitarbeiterin im IAT-Forschungsschwerpunkt Gesundheitswirtschaft, werden Leistungen in diesem Bereich sowohl von traditionellen Akteuren wie Kliniken und Ärzten, aber auch von Wellness-Einrichtungen wie Hotels, Schwimmbädern etc. angeboten. Daher werden Qualitätssicherung und Transparenz, die bisher häufig zu kurz kommen, immer wichtiger. Eine durchdachte Strategie und Geschäftsfeldentwicklung weisen die wenigsten Einrichtungen auf. Wer Erfolg haben wolle, müsse sich auf veränderte Marktstrukturen einstellen!

Vor allem für die traditionellen Anbieter scheint es also Zeit für ein Umdenken zu sein. Denn auch aktuell bleiben in vielen Häusern Patienten Patienten und der Gedanke an den Patienten als Kunden des eigenen Angebotes kommt immer noch häufig zu kurz.

Jahrbuch Healthcare Marketing 2009 erschienen!

Bereits im Februar ist das neue Jahrbuch Healthcare Marketing 2009 erschienen. Neben einem Überblick über die aktuelle Marktsituation beschreibt es vor allem, wie verschiedene Akteure des Gesundheitsmarktes damit umgehen. Denn schwierige Marktlagen fordern kreative Lösungen.

Leser des Buches können sich hier inspirieren lassen. Klar ist, dass das beschriebene Vorgehen der einzelnen Kapiteln nicht eins zu eins von allen Kliniken, Ärzten, Entscheidern übernommen werden kann. Dennoch ist deutlich, dass das Buch Möglichkeiten aufzeigt und vielleicht dazu führt, auch ungewöhnlichere Problemlösungen zumindest ins Auge zu fassen. Und vielleicht finden sich so ungewöhnliche Ideen, die den Fortbestand der eigenen Klinik sichern.

Da Vinci unterstützt Ärzte in Hamburg

Prostatakrebs ist der häufigste Krebs, an dem Männer erkranken. Während viele Erkrankungen zu spät erkannt werden, bietet eine Früherkennung und eine damit verbundene OP gute Heilungschancen.

Die Martini-Klinik am UKE in Hamburg bietet seit dem 01. Oktober 2008 Prostata-OPs mit dem da-Vinci-Operationssystem an. Dabei führt Da Vinci die OPs natürlich nicht alleine durch. Der behandelnde Chirurg ist in der Nähe des Patienten und steuert die Maschine über eine Konsole. Das neue System hat gegenüber der offenen Operation viele Vorteile: kleinere Schnitte und somit weniger Narben, milimetergenaue und zitterfreie Bewegungen und eine hervorragende Sicht auf das Operationsfeld. Privatdozent Dr. Alexander Haese, Oberarzt und Leiter des Programms, konnte mit der neuen Methode bereits vielen Patienten helfen. Dabei stellt Da Vinci für den Patienten eine Alternative zur offenen Operation dar. Bei Bedarf wird auch weiterhin ohne Da-Vinci operiert.

Für das Krankenhaus ist Da Vinci nicht nur eine Quelle zufriedener Patienten, positiver Medienberichte und Mund-zu-Mund-Propaganda, sondern auch ein herausragendes Alleinstellungsmerkmale gegenüber vergleichbaren Kliniken. Im Krankenhaus der Zukunft scheint der Arzt also (auch) an der Steuerkonsole zu sitzen!

Mit Elisabeth-Krankenhaus zum Katholischen Klinikum Ruhgebiet Nord

Mitte des Monats schloss sich das Dorstener Elisabeth-Krankenhaus dem »Katholischen Klinikum Haltern/Marl/Westerholt« an. Neuer Name der vier Kliniken: »Katholisches Klinikum Ruhrgebiet Nord«.

Ziel des Zusammenschlusses ist eine engere Zusammenarbeit zwischen den Abteilungen der verschiedenen Kliniken. Ab 2010 wird Prof. Dr. Gertrud Haeseler neue Chefärztin der Klinik für »Anästhesiologie, operative Intensivmedizin und Schmerztherapie« und ist dann für die Standorte Dorsten, Marl und Westerholt zuständig.

Darüber hinaus werden die EDV-Abteilungen nach Westerholt, die Buchhaltung nach Dorsten und die Personalabteilungen nach Marl verlegt. Um enger mit den Einweisern zusammen zu arbeiten, stellt das Krankenhaus einige medizin-technische Geräte für eigene Untersuchungen zur Verfügung. Schon jetzt sind mehr als dreißig Praxen und medizinische Einrichtungen auf dem Gelände der Kliniken vertreten.

Krankenhaus für Marketing-Leistung belohnt

Bereits seit mehreren Jahren vergibt der Marketing-Club Siegen Unternehmen der Region den Marketing-Award für herausragende Leistungen im Marketing. Bei der Verleihung des Awards gab es in diesem Jahr eine Überraschung: mit dem St. Marien-Krankenhaus Siegen wurde zum ersten Mal kein Wirtschaftsunternehmen, sondern eine Klinik ausgezeichnet.

Konjunkturpaket entlastet Versicherte!

Kaum hat sich der gesetzlich Krankenversicherte damit abgefunden, dass im Zuge der Einführung des Gesundheitsfonds die Beiträge pauschal auf 15,5 % angehoben werden, sind eben diese Beiträge erneut in der öffentlichen Diskussion und in den Medien.

Am Montag, 12. Januar 2009, hat die große Koalition im Zuge eines weiteren Konjunkturpaketes beschlossen, ab dem 1. Juli 2009 den Einheitsbeitrag von 15,5 % auf 14,9 % zu senken. Zuvor muss das Paket allerdings noch durch Bundestag und Bundesrat.

Natürlich sind es vor allem die gesetzliche Versicherten, die die Regelung begrüßen. Allerdings wird die Entlastung um 0,6 % mit je 0,3 % gleichmäßig auf Arbeitgeber und Arbeitnehmer verteilt. Nach der Erhöhung im Januar werden daher viele Versicherte die Senkung kaum zur Kenntnis nehmen.

Auch aus anderen Richtungen wurde (wie immer) Kritik laut. So befürchten die privaten Krankenversicherer eine massive Wettbewerbsverzerrung durch die »Bevorzugung« der gesetzlichen Krankenkassen.

Um die entstandene Differenz zu überbrücken, zahlt der Staat 2009 rund 3 Milliarden Euro Steuergelder zusätzlich in den Gesundheitsfonds, 2010 6 Milliarden Euro. Außer einem evtl. vorhandenenen Wettbewerbsvorteil gegenüber den privaten Versichereren steht den gesetzlichen Versicherungen daher kein Euro mehr oder weniger zur Verfügung. Grund genug für diese Versicherungen, sich erneut über die zu geringen Gelder zu beklagen.

Die SPD hingegen war ursprünglich der Meinung, dass Besserverdienern von dem Konjunkturpaket weniger profitieren sollten. Sie erhielten nur Vergünstigungen, die sie nicht wirklich benötigen und die wahrscheinlich auf das Sparkonto wandern würden. Schlechter verdienende Bürger hingegen würden die Vergünstigungen in den Konsum stecken und somit wirklich etwas für die Konjunktur tun. Auch in Bezug auf die Krankenkassenbeiträge wird kein Unterschied zwischen den Einkommengruppen gemacht.