Archive für April 2007

Mehr Organtransplantationen durch Kostenerstattung?

Für Schlagzeilen sorgte in dieser Woche die Forderung des Ethikrates, dass Verstorbenen Spender-Organe entnommen werden dürfen, soweit sie dem zu Lebzeiten nicht ausdrücklich widersprochen haben. Die Union hat sich vehement gegen eine Neuregelung ausgesprochen.

In Deutschland warten zurzeit rund 1.200 Menschen auf ein Spenderorgan. Jedes Jahr sterben etwa 1000 Menschen, weil das benötigte Spenderorgan nicht rechtzeitig zur Stelle ist. Bei einer Umfrage stellte der Rat außerdem fest, dass 85 % der Bundesbürger einer Organspende positiv gegenüber stünden.

Aber dennoch: Durch die Neuregelung würden Menschen, die sich zu Lebzeiten nicht mit dem Thema auseinander setzen und daher keine Entscheidung für oder gegen die Spende getroffen haben, nach ihrem Tod bei Bedarf automatisch zu Organspendern. Die Angehörigen haben dann keinerlei Einfluss mehr. Der Ethikrat rechtfertigt seine Forderung damit, dass die Bürger rechtzeitig aufgeklärt und zu einer Entscheidung gedrängt werden sollen.

Und auch an den Kliniken übt der Rat Kritik: Aus Angst vor den Kosten melden zurzeit nur rund 45 % der Kliniken mögliche Spender. Ohne ausreichende Kostenerstattung ist es schwierig, diesen Prozentsatz zu steigern. Vielleicht wäre das ja ein akzeptabler Ansatzpunkt, um den 1.200 wartenden Patienten zu helfen…

 

Integrierte Versorgung durch Anbietergemeinschaft

Ein wichtiges Schlagwort im Gesundheitswesen ist die »integrierte Versorgung«. Hierbei erfolgt die Versorgung der Patienten durch eine verstärkte Vernetzung der verschiedenen Sektoren des Gesundheitsmarktes. Niedergelassene Ärzte, Ärzte an Krankenhäusern und Therapeuten schließen sich zu einer Anbietergemeinschaft zusammen, kooperieren bei der Behandlung der Patienten und teilen sich sogar ein gemeinsames Budget, während bisher die unterschiedlichen Bereiche streng voneinander getrennt waren.

Der behandelnde Arzt erhält für jeden Patienten von der Versicherung einen pauschalen Betrag für die Versorgung. Er steuert die Behandlung, indem er Leistungen entweder selbst erbringt oder den Patienten an andere Mitglieder des Netzes weiterleitet. Ob er die Leistung selbst erbringt oder einen Kollegen hinzuzieht, hängt davon ab, wer die Leistung am besten und kostengünstigsten erbringen kann. Dabei können Gewinne oder Verluste entstehen, die zwischen den Beteiligten aufgeteilt werden. Alle Beteiligten werden also bemüht sein, die notwendigen Leistungen so kostengünstig wie nötig in die Wege zu leiten.

Natürlich darf die Qualität der Behandlung nicht unter diesem Prinzip leiden. Tut sie auch nicht, denn unzufriedene Patienten wandern zu einem anderen Anbieter ab, so dass der Arzt stets um Qualität bemüht sein wird. Er befindet sich in direktem Wettbewerb mit seinen Konkurrenten.

Als Teil des Netzwerkes befinden sich auch die Krankenhäuser in einer Konkurrenzsituation. Leistungen müssen in Zukunft nicht nur so kostengünstig wie möglich, sondern mit gleichbleibend hoher Qualität erbracht werden. Eine Herausforderung.

Zucker: eine “Chance” für Krankenhäuser?

Im Laufe der Jahrzehnte nehmen einige Krankheiten in der Gesellschaft ab, während andere sich immer weiter ausbreiten. Eine Krankheit, die in fast allen Ländern zunimmt, ist Diabetes. Vor allem Diabetes 2, die häufig als Altersdiabetes bezeichnet wird, obwohl mittlerweile viele junge Menschen an ihr erkranken.

Experten gehen davon aus, dass pro Minute sechs Menschen an Folgeerkrankungen der Diabetes sterben. Die WHO nimmt an, dass sich die Anzahl der Diabetiker alle zehn Jahre verdoppeln wird. Eine Studie aus Asien stellt sogar fest, dass die Zunahme der Typ 2 Diabetes mit der Zunahme der Autos korreliert.

Gründe für die Zunahme sind ungesundes Essen und fehlende Bewegung. Aber auch erbliche Faktoren spielen eine nicht zu unterschätzende Rolle.Klar ist, dass durch die starke Zunahme der Diabetes eine riesige Kostenlawine auf das Gesundheitssystem zurollt.

Was heißt das für Krankenhäuser und ihr Krankenhausmarketing? In Zukunft werden immer mehr Menschen an Diabetes erkranken und sich nach einer geeigneten Behandlung für ihr Leiden umsehen. Sieht man diese Diabetiker als die Kunden, die sie ja letztlich sind, stellt die Diabetesbehandlung ein Produkt dar, dessen Nachfrage in Zukunft erheblich steigen wird. Eine Entwicklung, die Krankenhäuser bereits heute bei ihrer Marketingplanung berücksichtigen sollten.

Mittlerweile ist es möglich, Menschen darauf zu untersuchen, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass sie in Zukunft an Diabetes erkranken. Sollten Krankenhäuser hier Programme anbieten, die dabei helfen, den Ausbruch der Krankheit zu verhindern? Ärzte im Team mit Ernährungs- und Sportwissenschaftlern?

In Lille (Frankreich) wurde beispielsweise mit einer neuen Behandlungsform experimentiert. Insulinproduzierende Zellen aus der Bauchspeicheldrüse von Organspendern werden Typ 1 Diabetikern verpflanzt, so dass deren eigene Bauchspeicheldrüse wieder Insulin produzieren kann.

Und wie sieht es mit den ethnischen Minderheiten in Deutschland aus: Jeder 12. Immigrant in Deutschland ist zuckerkrank. Das sind doppelt so viele Patienten wie in der deutschen Bevölkerung. Vor allem türkische Frauen kompensieren den Mangel an sozialen Kontakten häufig mit Essen. Mangelnde Sprachkenntnisse machen eine zielgerichtete Diabetesinformation oft nicht möglich.

Dennoch gibt es in Deutschland nur 17 Schwerpunktpraxen mit türkisch-sprachiger Diabetesinformation für rund 3 Millionen in Deutschland lebende Türken. Eine Lücke, die möglicherweise auch die Produktpolitik  der Krankenhäuser schließen kann.

Folgen der Gesundheitsreform

Pünktlich zum 1. April, allerdings kein Aprilscherz, ist die heftig diskutierte Gesundheitsreform in Kraft getreten. Viele Aspekte der Reform werden zwar erst vollends 2009 umgesetzt, es existieren allerdings auch sofortige Neuerungen.

  • So können beispielsweise die Versicherten in Zukunft zwischen verschiedenen neuen Tarifmodellen wählen.
  • Gute Nachrichten gibt es auch für die 200.000 bis 300.000 Menschen in Deutschland, die zurzeit in keiner Versicherung sind. Nach und nach wird eine allgemeine Versicherungspflicht eingeführt, so dass die Krankenkassen die Aufnahme eines Bürgers nicht verweigern können.
  • Außerdem werden ambulante und stationäre Leistungen zu Rehabilitationzwecken und empfohlene Impfungen zu Plichtleistungen.
  • Kosten, die durch Komplikationen bei Schönheits-OPs, Tätowierungen oder Piercings entstehen, werden nicht mehr notwendigerweise von den Versicherungen übernommen.

Bei den genannten Punkten handelt es sich um vieldiskutierte Aspekte der Gesundheitsreform, die den Meisten mittlerweile ein Begriff sind. Darüberhinaus gibt es aber viele weitere, weniger bekannte Neuerungen. Zum Beispiel die …

Folgen der Gesundheitsreform für Krankenhäuser

Künftig können Patienten mit schweren oder seltenen Krankheiten auch ambulant behandelt werden. Haben Sie schon die Chancen für Ihr Krankenhausmarketing und Ihre Produktpolitik geprüft?

Leider kommen auch weitere finanzielle Belastungen hinzu: Um die Krankenhäuser an den finanziellen Stabilisierungsmaßnahmen der Reform zu beteiligen, zahlen sie in Zukunft einen Sanierungsbetrag in Höhe von 0,8 Prozent der Ausgaben für stationäre Krankenhausleistungen. Für viele Krankenhäuser bedeutet das eine weitere Kostenbelastung, die zu den bisherigen Kostensteigerungen durch DRGs, Tarifabschlüsse, allgemeine Teuerung und Mehrwertsteuererhöhung hinzukommt. Die Lage der Krankenhäuser und der Mitarbeiter wird weiter verschärft.

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