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Mogelpackung? Gleiches Medikament 43x teurer.
Dieser Eintrag stammt von theunissen Am 14.2.2007 @ 10:19 In Allgemein | 1 Kommentar
Ein großer Teil der Kosten, die im Krankenhaus anfallen, werden maßgeblich von dritter Seite verursacht. Die Rede ist hier exemplarisch von Medikamentenkosten. Ein besonders markanter Fall von “unausgewogener Preispolitik” ist das Medikament Avastin der Firma Roche. Dabei handelt es sich um ein hervorragendes Medikament zur Behandlung von Darmkrebserkrankungen. Forscher in den USA haben herausgefunden, dass Avastin außerdem sehr erfolgreich bei einer Augenerkrankung, die häufig bei Senioren auftritt und zu Blindheit führt, eingesetzt werden kann. Eine Dosis des Medikamentes bei der Behandlung einer Darmerkrankung liegt bei 2.276 SFr.; bei der Behandlung der Augen reicht eine deutlich geringere Dosierung zum Preis von 42,70 SFr.
Bis hierhin hört sich alles fantastisch an: ein wirksames Mittel zu einem niedrigen Preis. Wo aber ist der Haken? Ganz einfach: Avastin wurde in der Schweiz nicht für die Behandlung von Augenerkrankungen zugelassen. Bisher durften Ärzte das Medikament nur in diesem Bereich nutzen, weil es keine Alternativen gab. Bis jetzt.
Die Firma Roche hat nun speziell für die Augen ein zweites Medikament entwickelt: Lucentis ist laut Expertenmeinung aber nahezu identisch gegenüber Avastin. Dabei liegt der Preis aber deutlich höher. 1.832 SFr. kostet jetzt eine Behandlung mit Lucentis. 42,70 SFr. kostet die gleiche Behandlung mit dem Darmmittel Avastin. Hinzu kommt, dass Avastin nur alle sechs Wochen, Lucentis hingegen alle vier Wochen ins Auge gespritzt werden muss. Konkret heißt das, dass für den Preis einer Behandlung mit Lucentis 43 Augen mit Avastin behandelt werden können. Ein enormer Kostenunterschied.
Die Folgen: Die Kosten der Behandlung müssen von den Krankenkassen übernommen werden. Peter Marbet vom Verband der Krankenkassen in der Schweiz erklärt, dass die Kosten durch das neue Medikament um 1 Milliarde SFr. ansteigen werden. Das sind rund 5 % der heutigen Gesamtgrundversorgung. Bereits jetzt sind 65.000 Augen in der Schweiz erkrankt. Jährlich kommen mehr als 5.000 hinzu.
Da kommt man ins Grübeln …
Quelle: SF, “10 vor 10″, 07.02.2007
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